Das osapiens CBAM-Modul automatisiert vier Kernfunktionen der CBAM-Berichtspflicht: Upload und Zuordnung von Importanmeldungen, eine Lieferantenabfrage, die Berechnung von Emissionen und Zertifikaten sowie die Berichterstellung mit Fristenhinweisen. Wie zuverlässig deckt dieses Modul des Mannheimer Anbieters osapiens die seit dem 1. Januar 2026 geltende CBAM-Regelphase ab, und wo liegen die Grenzen der Software?
Dieser unabhängige Test ordnet die vier Funktionen des Moduls ein, zeigt den aktuellen Stand des Unternehmens nach dessen Einhorn-Bewertung im Januar 2026 und prüft, welche CBAM-Pflichten für Importeure die Produktseite (Stand Juli 2026) noch nicht beschreibt.
Was ist das osapiens CBAM-Modul?
Das osapiens CBAM-Modul ist eine von mehr als 25 Compliance-Lösungen innerhalb der Plattform "osapiens HUB" des 2018 in Mannheim gegründeten Softwareunternehmens osapiens. Es richtet sich an Importeure, die Waren aus den sechs vom CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM) erfassten Sektoren (Eisen und Stahl, Zement, Aluminium, Düngemittel, Strom, Wasserstoff) in die EU einführen und ihre Berichtspflichten digital abwickeln wollen. Die Lösung ist laut Anbieter für Unternehmen jeder Größenordnung ausgelegt, von zehn bis zu mehreren Tausend Zulieferern.
Rechtlich wurde der CBAM-Inhalt der Lösung nach Angaben von osapiens gemeinsam mit der auf ESG-Regulierung spezialisierten Kanzlei Graf von Westphalen entwickelt. Damit positioniert sich osapiens neben Anbietern wie CBAM-Estimator, VERSO oder Tanso als einer von mehreren deutschen Softwareanbietern für die CBAM-Berichtspflicht.
Welche 4 Kernfunktionen bietet das osapiens CBAM-Modul?
Das osapiens CBAM-Modul gliedert sich laut Produktbeschreibung in vier Funktionsblöcke:
- Zentraler Upload und Zuordnung von Importanmeldungen
- Readiness Check und Lieferantenabfrage bei Zulieferern
- Berechnung von Emissionen und CBAM-Zertifikaten
- Berichterstellung mit Fristenhinweisen und XML-Export
Die folgenden vier Abschnitte erläutern jede Funktion einzeln.
Zentraler Upload und Zuordnung von Importanmeldungen
Diese Funktion prüft importierte Zolldaten automatisch vor und ordnet sie den passenden Warengruppen sowie Berichtszeiträumen zu. Importeure laden ihre Importanmeldungen zentral in die Plattform hoch, statt sie manuell in Tabellen zu pflegen. Wie geht das Modul anschließend mit den Zulieferern der betroffenen Waren um? Genau hier setzt die zweite Funktion an.
Readiness Check und Lieferantenabfrage bei Zulieferern
Der Readiness Check kontaktiert Zulieferer automatisiert und prüft, ob diese in der Lage sind, präzise Emissionsdaten für ihre Produktionsprozesse zu liefern. Das reduziert den manuellen Abstimmungsaufwand zwischen Importeur und Herstellern außerhalb der EU, ersetzt aber nicht die inhaltliche Prüfung der gelieferten Daten durch den Importeur selbst.
Berechnung von Emissionen und CBAM-Zertifikaten
Die Berechnungsfunktion ermittelt die benötigten CBAM-Zertifikate auf Basis der importierten Warenmengen unter Berücksichtigung direkter und indirekter Emissionen. CBAM ist dabei kein Zoll und keine Steuer, sondern ein zertifikatbasierter Mechanismus, der die eingeführte Warenmenge mit dem verifizierten Emissionswert verknüpft. Wo Zulieferer keine spezifischen Werte liefern können, greift die Software vermutlich auf Standardwerte zurück, ähnlich wie es die Berechnung der CBAM-Zertifikate bei fehlenden Echtdaten vorsieht; die Produktseite nennt hierzu allerdings keine Details zur konkreten Standardwert-Quelle.
Berichterstellung, Fristenhinweise und XML-Export
Die vierte Funktion erstellt automatisiert einen CBAM-Bericht im XML-Format und erinnert Nutzer über eine Hinweisfunktion an anstehende Quartalsfristen. Dieser Export- und Erinnerungsmechanismus war während der Übergangsphase bis Ende 2025 zentral, weil in dieser Phase alle drei Monate ein CBAM-Bericht fällig war. Deckt diese Funktion auch die seit 2026 geltenden Fristen der Regelphase ab?
Deckt das osapiens CBAM-Modul die CBAM-Regelphase ab 2026 ab?
Nein, nach eigener Prüfung der öffentlichen Produktseite (Stand Juli 2026) beschreibt osapiens dort weiterhin ausschließlich den Ablauf der am 31. Dezember 2025 beendeten Übergangsphase, nicht die seit dem 1. Januar 2026 geltende CBAM-Regelphase. Der beworbene "CBAM-Bericht" ist die vierteljährliche Meldung aus Artikel 35 der CBAM-Verordnung, die mit der Übergangsphase endete. Seit der Regelphase gilt stattdessen die jährliche CBAM-Berichtspflicht 2026, deren erste CBAM-Erklärung erst am 30. September 2027 für das Berichtsjahr 2026 fällig wird. Für deutsche Importeure ist dafür die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt zuständig, nicht der Zoll.
Die folgende Tabelle stellt die auf der Produktseite beschriebenen Funktionen den tatsächlichen Anforderungen der Regelphase gegenüber.
| Anforderung | Übergangsphase (bis 31.12.2025) | CBAM-Regelphase (ab 01.01.2026) |
|---|---|---|
| Vierteljährlicher CBAM-Bericht | Abgedeckt, zentrale Kernfunktion | Entfällt, der CBAM-Bericht endete mit der Übergangsphase |
| Jährliche CBAM-Erklärung (erstmals 30.09.2027) | Nicht relevant | Auf der Produktseite (Stand Juli 2026) nicht beschrieben |
| Zulassung als CBAM-Anmelder | Nicht relevant | Auf der Produktseite (Stand Juli 2026) nicht beschrieben |
| Kauf von CBAM-Zertifikaten (ab 01.02.2027) | Nicht relevant | Auf der Produktseite (Stand Juli 2026) nicht beschrieben |
| Vierteljährliche 50-Prozent-Haltepflicht (rechtswirksam ab 2027, Art. 22) | Nicht relevant | Auf der Produktseite (Stand Juli 2026) nicht beschrieben |
| Berechnung direkter und indirekter Emissionen | Abgedeckt, zentrale Kernfunktion | Vermutlich weiterverwendbar, aber nicht separat beschrieben |
Konkret fehlen auf der öffentlichen Produktseite (Stand Juli 2026) folgende Elemente der Regelphase:
- Unterstützung für die jährliche CBAM-Erklärung, erstmals fällig am 30. September 2027
- Ein Workflow für die Zulassung als CBAM-Anmelder, die seit dem 1. Januar 2026 Voraussetzung für Importe oberhalb der De-minimis-Schwelle von 50 Tonnen pro Jahr ist
- Funktionen zum Kauf und zur Verwaltung von CBAM-Zertifikaten, die ab dem 1. Februar 2027 über das CBAM-Register erhältlich sind
- Eine Abbildung der vierteljährlichen Pflicht, ab 2027 mindestens 50 Prozent der kumulierten Emissionen mit Zertifikaten zu unterlegen
Das bedeutet nicht zwingend, dass osapiens diese Funktionen intern nicht entwickelt. Es bedeutet, dass die öffentlich zugängliche Beschreibung des Moduls die aktuelle CBAM-Berichtspflicht 2026 bislang nicht vollständig abbildet, was für Importeure, die gezielt danach suchen, ein Informationsdefizit darstellt.
Wer steht hinter osapiens? Unternehmen, Finanzierung und Einhorn-Status 2026
osapiens ist seit Januar 2026 das erste deutsche Software-Einhorn des Jahres, nachdem eine Serie-C-Finanzierung von 100 Millionen US-Dollar unter Führung von "Decarbonization Partners" (einem Gemeinschaftsunternehmen von BlackRock und Temasek) die Unternehmensbewertung laut Handelsblatt-Berichterstattung auf über 1 Milliarde US-Dollar hob. Das Unternehmen wurde 2018 in Mannheim von Alberto Zamora, Stefan Wawrzinek und Matthias Jungblut gegründet und gewann 2022 den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie "Aufsteiger".
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten öffentlich bekannten Unternehmensdaten zusammen.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Gründung | 2018, Mannheim |
| Gründer | Alberto Zamora, Stefan Wawrzinek, Matthias Jungblut |
| Mitarbeitende | rund 550 (Stand Januar 2026) |
| Kunden weltweit | über 2.000 (Stand Januar 2026, Angabe laut Unternehmen), unter anderem Otto, Edeka, C&A, Coca-Cola |
| Unternehmensbewertung | über 1 Milliarde US-Dollar (Einhorn-Status seit Januar 2026) |
| Serie-C-Investoren | Decarbonization Partners (BlackRock und Temasek), 100 Millionen US-Dollar |
| Auszeichnung | Deutscher Gründerpreis 2022, Kategorie Aufsteiger |
Frühere Finanzierungsrunden werden in der Wirtschaftspresse mit 25 Millionen Euro von Armira (Februar 2023) und 120 Millionen Euro von Goldman Sachs (Juli 2024) beziffert; diese Angaben stammen aus Wirtschaftsmedien und wurden von osapiens selbst nicht in gleicher Detailtiefe bestätigt.
Was kostet das osapiens CBAM-Modul?
Osapiens veröffentlicht keine öffentlichen Preise für das CBAM-Modul (Stand Juli 2026). Interessenten erhalten stattdessen ein individuelles Angebot, das sich nach Importvolumen, Anzahl der Zulieferer und weiteren gebuchten Modulen der osapiens HUB richtet. Ein direkter Preisvergleich mit anderen Anbietern ist deshalb ohne eigene Anfrage kaum möglich. Wer die Kosten mehrerer Lösungen gegenüberstellen will, findet einen strukturierten Überblick zur CBAM-Software im Vergleich, die neben osapiens weitere deutsche Anbieter einordnet.
Wie schneidet osapiens im Vergleich zu anderen CBAM-Softwareanbietern ab?
Auf dem deutschen Markt konkurriert osapiens mit mehreren spezialisierten Anbietern, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Der Stuttgarter Anbieter CBAM-Estimator bewirbt einen kostenlosen ersten CBAM-Bericht und richtet sich eher an kleinere Importeure, während osapiens mit über 2.000 Kunden und einer breiteren HUB-Plattform stärker auf mittlere und große Unternehmen zielt. Weitere Alternativen wie VERSO, Tanso oder kolum decken ähnliche Kernfunktionen ab, unterscheiden sich aber in Preismodell und Zielgruppe. Wer statt einer reinen Softwarelösung eine vollständige Begleitung durch Zulassung und Berichtspflicht sucht, greift stattdessen auf eine CBAM-Beratung zurück.
Gibt es unabhängige Nutzerbewertungen zum osapiens CBAM-Modul?
Nein, für das osapiens CBAM-Modul selbst liegen nach eigener Recherche (Stand Juli 2026) keine spezifischen unabhängigen Nutzerbewertungen vor. Die Bewertungsplattform BARC listet für die gesamte osapiens HUB Plattform noch nicht genügend Bewertungen für ein aussagekräftiges Urteil, und weder Trustpilot noch Capterra führen ein eigenes Profil für das CBAM-Modul. Allgemeine osapiens-Bewertungen auf G2 beziehen sich überwiegend auf andere HUB-Module und nicht gezielt auf CBAM. Für Importeure bedeutet das, dass sich eine Kaufentscheidung derzeit vor allem auf die Produktbeschreibung und ein persönliches Beratungsgespräch stützen muss.
Häufige Fragen zum osapiens CBAM-Modul
Ist das osapiens CBAM-Modul für kleine Importeure geeignet?
Ja, osapiens bewirbt das Modul laut eigener Produktbeschreibung für Unternehmen jeder Größenordnung, von zehn bis zu mehreren Tausend Zulieferern. Kleinere Importeure mit Importmengen nahe der De-minimis-Schwelle von 50 Tonnen pro Jahr sollten vor Vertragsabschluss klären, ob sich der Aufwand einer HUB-Plattform im Vergleich zu einfacheren, günstigeren Einzellösungen für ihr konkretes Importvolumen lohnt.
Deckt osapiens auch die Zulassung als CBAM-Anmelder ab?
Nach dem aktuellen Stand der öffentlichen Produktseite (Juli 2026) beschreibt osapiens keinen eigenen Workflow für die Zulassung als CBAM-Anmelder. Diese Zulassung ist eine gesonderte Antragstellung nach Artikel 5 und 17 der CBAM-Verordnung über das CBAM-Register und unabhängig von jeder Softwarelösung erforderlich. Importeure sollten diesen Punkt gezielt im Beratungsgespräch mit osapiens ansprechen.
Was kostet das osapiens CBAM-Modul genau?
Osapiens nennt keine öffentlichen Preise; die Kosten richten sich nach einem individuellen Angebot auf Basis von Importvolumen und Anzahl der Zulieferer. Wer die eigene finanzielle Belastung unabhängig von einer konkreten Software abschätzen möchte, kann die allgemeinen CBAM-Kosten für die relevanten Warengruppen zunächst separat kalkulieren.
Gibt es eine kostenlose Testversion des osapiens CBAM-Moduls?
Auf der öffentlichen Produktseite ist keine kostenlose Testversion oder ein Freemium-Zugang für das CBAM-Modul dokumentiert (Stand Juli 2026). Interessenten müssen für eine Demo oder ein Angebot direkt Kontakt mit dem Vertrieb von osapiens aufnehmen.