CBAM-Zolltarifnummern für Stahl, im Zollrecht korrekt KN-Codes genannt, umfassen rund 40 vierstellige Positionen aus den Kapiteln 72 (Eisen und Stahl) und 73 (Waren daraus) der Kombinierten Nomenklatur, deren achtstellige Unterpositionen die eigentliche CBAM-Warenliste bilden; eine Handvoll dieser Positionen ist ausdrücklich von der Zertifikatspflicht ausgenommen. Welcher Code löst tatsächlich eine CBAM-Pflicht aus, und welcher gilt nur als Vormaterial oder bleibt vollständig außen vor? Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten KN-Codes aus Kapitel 72 und 73 den passenden Produktgruppen zu, nennt die Ausnahmen namentlich und zeigt, wie der einzelne Code über die Produktionsroute den anwendbaren Emissionswert eines Stahlimports bestimmt.
Was sind CBAM-Zolltarifnummern für Stahl?
CBAM-Zolltarifnummern für Stahl sind die achtstelligen KN-Codes (Kombinierte Nomenklatur) der Kapitel 72 und 73, die unter Anhang I der Verordnung (EU) 2023/956 fallen und deren Einfuhr eine Zertifikatspflicht für graue Emissionen auslösen kann. "Zolltarifnummer" ist dabei der Suchbegriff, den Importeure und Zollsachbearbeiter im Alltag verwenden, während die Verordnung selbst durchgehend von "KN-Code" oder "Code der Kombinierten Nomenklatur" spricht. Der Code entscheidet zunächst nur über den grundsätzlichen Anwendungsbereich; ob daraus eine reale Pflicht wird, hängt zusätzlich vom Warenursprung und von der kumulierten Jahresmenge des einzelnen Einführers ab. Einen vollständigen Überblick über CBAM-Pflichten, Fristen und Kosten für Importeure aller sechs Sektoren liefert die Startseite dieses Leitfadens, bevor die folgenden Abschnitte tiefer in die Codeliste für Stahl führen.
Warum reicht die reine Zugehörigkeit zu Kapitel 72 oder 73 dafür noch nicht aus? Innerhalb einzelner Positionen wie 7202 oder 7326 tragen nur bestimmte achtstellige Unterpositionen eine CBAM-Kennzeichnung, andere Unterpositionen derselben vierstelligen Position bleiben unberührt. Importeure prüfen deshalb stets die volle achtstellige Nummer, nicht nur die vierstellige Position.
Welche KN-Codes umfasst CBAM-Stahl in Kapitel 72 und 73?
CBAM-Stahl umfasst in Kapitel 72 acht zentrale Codegruppen von Roheisen bis Edelstahl und in Kapitel 73 sechs weitere Gruppen von Spundwänden bis zu Schrauben und sonstigen Fertigwaren. Die folgende Tabelle ordnet die wichtigsten Codes den jeweiligen Produktgruppen zu und nennt den typischen Emissionsfaktor der dominierenden Produktionsroute.
| Kapitel | KN-Code | Produktgruppe | Beispiele | Typischer Emissionsfaktor (tCO2/t) |
|---|---|---|---|---|
| 72 | 7201 | Roheisen | Roheisen aus dem Hochofenprozess | ca. 2,0 (BF-BOF) |
| 72 | 7202 (Auszug) | Ferrolegierungen | Ferromangan, Ferrosilizium, Ferrochrom | variiert nach Legierung |
| 72 | 7203 | Direktreduziertes Eisen (DRI) | Eisenschwamm | ca. 0,9 bis 1,4 (DRI-EAF) |
| 72 | 7204 | Eisen- und Stahlschrott | Schrott als Ausgangsstoff | ausgeschlossen |
| 72 | 7206-7207 | Rohstahl, Halbzeug | Blöcke, Brammen, Knüppel | ca. 0,5 bis 2,0 |
| 72 | 7208-7212 | Flachgewalzte Erzeugnisse | Warmband, Kaltband, Coils | ca. 2,0 (BF-BOF dominant) |
| 72 | 7213-7217 | Stabstahl, Draht | Betonstahl, Walzdraht | ca. 0,4 bis 0,6 (EAF dominant) |
| 72 | 7218-7229 | Edelstahl- und Legierstahlerzeugnisse | Rostfreie Bleche, Profile | ca. 0,5 bis 1,4 |
| 73 | 7301-7302 | Spundwände, Bahnmaterial | Schienen, Schwellen | ca. 2,0 |
| 73 | 7303-7307 | Rohre, Rohrformstücke | Nahtlose Rohre, Fittings | ca. 0,5 bis 2,0 |
| 73 | 7308 | Konstruktionen aus Eisen oder Stahl | Brücken, Türme, Stützen | ca. 0,5 bis 2,0 |
| 73 | 7309-7311 | Behälter, Tanks, Gasflaschen | Vorratsbehälter, Druckgasflaschen | ca. 0,5 bis 2,0 |
| 73 | 7318 | Schrauben, Bolzen, Muttern | Verbindungselemente | ca. 0,4 bis 2,0 |
| 73 | 7326 (Auszug) | Andere Waren aus Eisen oder Stahl | Ausgewählte Fertigwaren | ca. 0,4 bis 2,0 |
Bei vielen fertigen Stahlprodukten aus Kapitel 73 handelt es sich um "komplexe Waren" im Sinne von Anhang IV Nr. 1 der Verordnung, deren Berechnung die grauen Emissionen eines vorgelagerten Vorläuferstoffs mit einschließt: Warmgewalzter Stahlcoil aus Position 7208 ist dabei das klassische Beispiel, dessen Emissionen in die Bilanz jedes daraus gefertigten Rohrs oder Profils weiterwandern. Welche Formel für einfache gegenüber komplexen Stahlwaren gilt, erklärt der Beitrag zu CBAM-Emissionen berechnen. Der übergeordnete Beitrag zu CBAM-Stahl ordnet diese Codeliste zusätzlich in den Kontext von Kosten und Herkunftsländern ein.
Welche KN-Codes sind von CBAM ausgeschlossen?
Von CBAM ausgeschlossen sind drei Codegruppen in Kapitel 72 und 73, die als Sekundärmaterial oder als geringwertige Konsumware gelten.
- KN 7204 (Eisen- und Stahlschrott): gilt als Sekundärmaterial ohne eigenen Produktionsprozess und dient stattdessen als Ausgangsstoff für emissionsärmeren Elektrostahl.
- KN 7312 bis 7317 (Drahtseile, Ketten, Nägel, Krampen): aus Kapitel 73 ausgenommen, weil ihre Karbonintensität im Verhältnis zum Warenwert gering ausfällt.
- KN 7319 bis 7325 (Nähnadeln, Haushaltswaren, Öfen, Sanitärartikel aus Eisen oder Stahl): ebenfalls ausgenommen, da eine Einbeziehung unverhältnismäßigen Aufwand für Importeure kleinteiliger Konsumgüter erzeugen würde.
Diese Ausschlüsse sind strikt zu trennen von der CBAM-De-minimis-Schwelle: Ein ausgeschlossener Code entfällt vollständig aus der CBAM-Warenliste, unabhängig von der Importmenge, während die De-minimis-Schwelle von 50 Tonnen pro Jahr nur für tatsächlich erfasste Codes gilt und lediglich kleine Einführer von der Zertifikatspflicht befreit.
Wie bestimmt der KN-Code den anwendbaren Standardwert?
Der KN-Code legt nur den grundsätzlichen Anwendungsbereich fest; den tatsächlichen Standardwert bestimmt die Produktionsroute, die aus Lieferantendaten oder ersatzweise aus amtlichen Standardwerten hervorgeht. Liegen keine verifizierten Werksdaten vor, greifen länderspezifische CBAM-Standardwerte der Europäischen Kommission mit Aufschlägen gegenüber tatsächlichen Emissionen. Davon zu unterscheiden sind die CBAM-Benchmarkwerte nach der Durchführungsverordnung (EU) 2025/2621, die für die Klassifizierung der Produktionsroute selbst dienen: 1,370 tCO2e/t für die Hochofenroute (BF-BOF), 0,481 tCO2e/t für die Direktreduktionsroute (DRI-EAF) und 0,072 tCO2e/t für die schrottbasierte Elektrolichtbogenroute (Schrott-EAF). Der Standardwert ersetzt fehlende Emissionsdaten, während der Benchmarkwert über die SEFA-Methodik die verbleibende kostenlose EU-ETS-Zuteilung mitbestimmt; beide wirken 2026 zusammen mit dem CBAM-Faktor von 2,5 Prozent, sodass selbst ein hoher Emissionsfaktor bei Hochofenstahl derzeit nur einen kleinen Bruchteil der Bruttokosten als reale Zertifikatspflicht auslöst.
Wie prüfen Importeure ihren KN-Code in der Praxis?
Importeure prüfen ihren KN-Code für CBAM-Stahl in vier Schritten, die vom Zolltarif bis zur Berichtspflicht reichen. Die folgende Liste beschreibt diese vier Schritte in der Reihenfolge, in der ein Einführer sie für jede Sendung durchläuft.
- Ermitteln Sie den achtstelligen KN-Code aus der Zollanmeldung oder der Handelsrechnung des Lieferanten.
- Gleichen Sie den Code gegen Anhang I der Verordnung (EU) 2023/956 ab und prüfen Sie bei Teilpositionen wie 7202 oder 7326 die volle achtstellige Ziffernfolge.
- Bestimmen Sie die Produktionsroute anhand von Lieferantenangaben oder wählen Sie ersatzweise den passenden länderspezifischen Standardwert.
- Kumulieren Sie die Jahresmenge über alle Stahl-KN-Codes desselben Einführers, um die 50-Tonnen-Schwelle korrekt zu prüfen.
Am schnellsten gelingt Schritt eins über den KN-Code-Check, der einzelne Codes direkt gegen die CBAM-Warenliste abgleicht. Importeure oberhalb der Schwelle dokumentieren die Mengen und Emissionsdaten anschließend im Rahmen der jährlichen CBAM-Berichtspflicht.
Gilt die 50-Tonnen-Schwelle für alle Stahl-KN-Codes gleichermaßen?
Ja, die 50-Tonnen-Schwelle gilt gleichermaßen für alle erfassten Stahl-KN-Codes, weil sich die kumulierte Jahresmenge über sämtliche Codes desselben Einführers addiert und nicht codeweise getrennt betrachtet wird. Ein Importeur, der 30 Tonnen unter Position 7208 und 25 Tonnen unter Position 7213 einführt, überschreitet die Schwelle also bereits mit der Gesamtmenge von 55 Tonnen, obwohl keine einzelne Position für sich genommen über 50 Tonnen liegt.
Häufige Fragen zu CBAM-KN-Codes für Stahl
Zählt Eisenerz (KN 2601) als CBAM-Ware?
Nein, Eisenerz unter KN-Code 2601 zählt nicht als eigenständige CBAM-Ware, sondern nur als Vormaterial für die Roheisen- und Stahlherstellung. Die Zertifikatspflicht entsteht erst auf der Stufe des ersten verarbeiteten Stahlprodukts, etwa bei Roheisen (7201) oder direktreduziertem Eisen (7203).
Deckt ein einzelner Emissionsfaktor alle Edelstahl-Codes (7218 bis 7223) ab?
Nein, ein einzelner Emissionsfaktor deckt die Edelstahl-Codes 7218 bis 7223 nicht ab, da für Edelstahl dieselbe Bestimmung der Produktionsroute gilt wie für unlegierten Stahl. Hochofenbasierter, direktreduktionsbasierter und schrottbasierter Edelstahl tragen jeweils unterschiedliche Emissionswerte, und maßgeblich ist stets, ob mehr als 50 Prozent der Rohstahlmasse aus Schrott stammen.
Gilt die De-minimis-Schwelle auch für Kapitel 73?
Ja, die De-minimis-Schwelle gilt auch für Kapitel 73, da sämtliche erfassten Codes aus Kapitel 72 und 73 gemeinsam in die kumulierte Jahresmenge desselben Einführers einfließen. Fertige Erzeugnisse wie Rohre (7304) oder Schrauben (7318) werden also nicht getrennt von Halbzeug aus Kapitel 72 betrachtet, sondern zählen zur selben 50-Tonnen-Grenze.